Anton Meier : GASPARE O. MELCHER

Gaspare O. Melcher Hommage à A.G., 2011 Collage auf Leinwand 95 x 95 cm

Gaspare O. Melcher
Hommage à A.G., 2011
Collage auf Leinwand
95 x 95 cm

GASPARE O. MELCHER COLLAGEN
7. Nov. 2013 – 8. Feb. 2014

Im Sommer 1990 begann Melcher, parallel zu seiner Malerei, mit einer Serie von grossformatigen Collagen. Er verwendete dazu kleine Schnipsel aus zerrissenen Comix-Heftchen, den Fumettis. Fast traumwandlerisch klebte er diese kleinen und kleinsten Papierfetzen in akribischer Arbeit direkt auf die grundierte Leinwand, ohne zeichnerische  Vorlage, sozusagen in der Manier der écriture automatique. Es entstanden  unheimlich tiefe Bilder, Kompositionen in denen man wie mit einem Raumschiff im Chaos des Universums  herumreisen kann. Bei längerem Betrachten gehen einem immer wieder neue Räume auf, und gleichzeitig geistern riesige Figuren auf der Bildoberfläche umher. So wenigstens empfand ich diese Arbeiten, von denen ich fast alle kurz nach deren Fertigstellung jeweils zu Gesicht  bekam. Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, sofort einige dieser Collagen, die mich in höchstem Masse faszinierten, für die Galerie zu erwerben.

Melcher schuf in relativ kurzer Zeit ein Dutzend solcher Collagen, alle im grosszügigen Format 125 x 150 cm. In seinem Text im Buch Spudegelion (Genf, 1993) ging Beat Wismer  in einer längeren Passage auf diese Collagen ein, die Melcher mit Veronica bezeichnete (S. 27 und 28, mit mehreren Abbildungen).

Im Zusammenhang mit den Bildzyklen Finestra gotica und The Roswell Symbols arbeitete Melcher in den späten Neunziger Jahre erneut an Collagen, die in der gleichen Technik gefertigt wurden. Sie sind meistens im Format 95 x 95 cm und erscheinen mir viel mehr durchkomponiert. Diese Collagen sind teilweise in der Publikation des Calven-Verlages von 1998 The Roswell Symbols abgebildet. Auch die Bildmotive des diario toscano, des toskanischen Tagebuches, das 2010 veröffentlicht wurde, setzte der Künstler in kleinformatige Collagen um.

In den letzten Jahren entstand eine mit Hommage betitelte Serie von neun Collagen. Melcher wählte neun Künstler aus, mit denen er sich auf irgendeine Weise verbunden oder denen er sich verpflichtet fühlt. Drei davon sind Künstlerfreundschaften aus Melcher’s Zeit in Amsterdam, 1972-1974: Johannes Gachnang, Künstler und späterer Ausstellungsmacher (z.B. Documenta 7), der damals das Programm des Goethe-Institutes in Amsterdam leitete; André Thomkins, einer der im Goethe-Institut ausgestellten Künstler, sowie Markus Raetz, der zu dieser Zeit ebenfalls in der niederländischen Metropole wohnte. Mit den Arbeiten von Alberto Giacometti und Adolf Wölfli setzte sich Melcher schon früh auseinander; sie blieben ihm Vorbilder. Zum streitbaren Emilio Vedova, bei dem er kurze Zeit als Assistent wirkte (Sommerakademie in Salzburg 1969), entwickelte er eine Art Hassliebe. Dieter Roth und Jean Tinguely waren für ihn wie entfernte Verwandte. Natürlich kannte und schätzte er deren Werke und ihre Wirkung, pflegte aber keinen näheren Kontakt zu ihnen. In Matias Spescha erkannte er nicht nur einen höchst sensiblen Künstler, es verband sie auch die gemeinsame Herkunft aus dem Bündnerland.

Die Suite Hommages zeigt, wie eigenständig Melcher mit der Collage-Technik umzugehen weiss. Es gelingt ihm, seine über Jahre konsequent erarbeitete Bildsprache auf die Collagen zu übertragen und diese wiederum zu erneuern.

 

Galerie Anton Meier
2, rue de l’Athénée, 1205 Genf
T +41 (0)22 311 14 50
anton.meier@span.chhttp://www.antonmeier-galerie.ch
Öffnungszeiten: Di – Fr 14 :00 – 18:30 Uhr, Sa 10:00 – 13:00 Uhr

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